Ziegen im Saaletal
Über Jahrhunderte hinweg wurden die sehr artenreichen Trocken- und Halbtrockenrasen im Saaletal und Südharz mit Schafen und Ziegen beweidet. Die Beweidung erfolgte traditionell in Hütehaltung. Auf den steilsten und wenig ertragreichen Hängen wurde vor allem mit Ziegen beweidet. Durch diese Nutzungsform entstanden blütenreiche, gebüsch- und baumarme Flächen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten der Trocken- und Halbtrockenrasen einen Lebensraum bieten. Seit längerer Zeit ungenutzt, verbuschten viele Standorte jedoch zunehmend und viele typische Arten magerer Offenlandbiotope wurden verdrängt. Hiermit verbunden ist der Verlust wertvoller Strukturen und blütenreicher Elemente, die unsere Kulturlandschaft einst prägten. Vor diesem Hintergrund wurde das vom Land Sachsen- Anhalt geförderte Ziegenbeweidungsprojekt initiiert.
Im April 2006 starteten der BUND Sachsen-Anhalt e.V., das Prof. Hellriegel-Institut e.V., die Hochschule Anhalt und das Büro Salix die Ziegenbeweidungsprojekte zum Erhalt wertvoller Offenlandgesellschaften im Unteren Saaletal.
Ziel dieser Projekte ist es, der Verbuschung wertvoller Halbtrocken- und Trockenrasen sowie Fels-Pionierfluren durch Beweidung mit Ziegen entgegen zu wirken.
Die Wahl fällt dabei auf die Ziegen, da die Beweidung durch Schafe in extremen Steillagen ungeeignet ist. Ziegen sind des Weiteren in der Lage, einen sehr hohen Anteil des Futterbedarfs mit Blättern, jungen Gehölztrieben und Rinde zu decken.
Auf sehr unwegsamen und steilen Standorten musste zum Teil auf feste Zäune in Kombination mit Elektrozäunen zurück gegriffen werden. Wo es jedoch möglich ist, werden nur Elektrozäune errichtet. In der ersten Projektphase wurden bis zum Herbst 2007 in Trägerschaft des BUND Sachsen-Anhalt fünf Ziegenstandweiden in vier Projektgebieten eingerichtet.
Im Rahmen des Projektes wurden bis zum Jahr 2009 neun Ziegenbeweidungsflächen eingerichtet. Teilweise erfolgt die Beweidung gemeinsam mit Schafen. Sieben Beweidungsflächen befinden sich im Unteren Saaletal zwischen Halle (Saale) und Könnern. Zwei weitere Flächen liegen in der Goldenen Aue zwischen Nordhausen und Sangerhausen im Biosphärenreservat „Karstlandschaft Südharz“. Träger des Projektes ist die Hochschule Anhalt (FH), welche in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Fachbüro SALIX (Wettin) die Flächeneinrichtung organisiert und Erfolgskontrollen durchführt. Die Flächen werden durch lokale Landwirte und Vereine bewirtschaftet. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln den Landes Sachsen-Anhalt (ELER-Mittel).
